Seid klug wie die Schlangen

Überlegungen zu christlichen Internetpräsenzen   •   oder: Was wusste Jesus schon von HTML?

Von Ralf Roschinski      •       Email: rro@klugeschlangen.de       •       Kontakt   /  Datenschutz

Disclaimer...

...und ähnliche Hässlichkeiten

»Disclaimer sind juristischer Nonsense!«   Rechtsanwalt Dr. Bahr, Hamburg

»In den meisten Fällen sind Disclaimer rechtlich bestenfalls wertlos, im schlimmsten Fall sogar schädlich.«   Rechtsanwalt Breymann, Mönchengladbach

»Aus der Stilblüten-Ecke des Internets sind sie nicht mehr wegzudenken: die Disclaimer.«
Rechtsanwalt Max-Lion Keller, München


Wer viel im Internet unterwegs ist, trifft regelmäßig auf umfangreiche, spröde Rechtstexte unter Überschriften wie »Haftungsausschluss« oder »Disclaimer«. Die enorme Verbreitung dieser Texte suggeriert, dass hier viel falsch zu machen ist und man bei Entdeckung schnell zur Rechenschaft gezogen werden kann – mit unabsehbaren Folgen. Das verursacht Unsicher­heit: Was passiert denn mit mir, wenn ich auf meinem Internetauftritt unbeabsichtigt einen justiziablen Fehler begangen habe?

Dieser Unsicherheit wird aber nicht mit Nüchternheit und Wissensaneignung begegnet, um Klarheit zu gewinnen, wie man es richtig macht. Christen könnten sich zusätzlich an die Mahnung von Paulus erinnern, die da sagt: Prüft alles, und das Gute behaltet. Viel beliebter scheint es zu sein, sich kritiklos den verbreiteten Anti-Angst-Ritualen mit ihrem beträchtlichen Hokuspokus­wert anzuschließen.

Auf diese Weise verbreiten sich Disclaimer auf Webseiten und gehören mittlerweile zur Internetfolklore, die keine Rückfrage mehr zulässt. Auch Christen machen diesen Unsinn ungebremst mit. Irgendjemand hat diese Texte einmal mit unübertroffener Präzision als »Pseudojuristische Geister­beschwörung« tituliert. Zauber­sprüche, die juristische Begriffe verwenden und dadurch die trügerische Sicherheit vermitteln, nun könne nichts mehr passieren. Bei manchen Disclaimern steht sogar noch der Name eines Rechtsanwaltes drunter, was das Trügerische an dem Anschein noch verstärkt.

Disclaimer sind Textwüsten, die schon layoutmäßig eine Zumutung darstellen. Sie verwenden Sprachformen, die von dem sonst vorhandenen freundlichen Bemühen um das Verständnis des Seitenbesuchers auffällig abweichen. Es sind Inhalte, die die Webmaster kaum selber verstanden haben können, aber ohne zu zögern rüberkopieren nach dem Motto: Wenn soviele andere das haben, kann es nicht falsch sein. Es scheint auch so, dass die Texte nicht einmal durchgelesen und mit den eigenen Seiten­inhalten abgeglichen werden. Denn bei solchem Versuch müsste man bei verschiedenen Formulierungen zwangsläufig stutzig werden, selbst wenn man keine Juristenausbildung hat.


Ghostbusters

Collage:
Ghostbusters. Christen auf Gespensterjagd.

Sie lösen nicht existente Probleme, verweisen auf falsche Gesetze, erläutern wortreich Banalitäten, interpretieren eine Gerichtsentscheidung ins Gegenteil, geben gegenstandslose Erklärungen ab, verlinken auf irreführende Seiten, distanzieren sich unglaubwürdig, drohen ihren möglichen Opfern und glauben an die heilbringende Wirkung eines Rechtsanwaltsnamens.